"Das Scheitern der RAF und die Weigerung der Reue", Interview Tiroler Tageszeitung

Geschrieben am 23. 01. 2009

Tiroler Tageszeitung, 23.01.2009
Das Scheitern der RAF und die Weigerung zur Reue

Direkter Link zum Interview: http://tt.com/tt/home/story.csp?cid=2696300&sid=57&fid=21

Der verurteilte ehemalige RAF-Terrorist Karl-Heinz Dellwo - kommende Woche zu Gast in Innsbruck - sprach mit der TT über Reue, Gewalt und ihre Wurzeln.

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Dellwo ist kommende Woche in Tirol.
Bild: Bodo Marks

TT: Sie saßen 20 Jahre als verurteilter Terrorist in Haft, jetzt machen Sie Dokumentarfilme über Themen wie Abu Ghraib. Wollen Sie so Ihre Überzeugungen jetzt auf eine andere Art verbreiten?

Karl-Heinz Dellwo: Ich hoffe, dass in meinen Filmen meine Überzeugung auch zum Tragen kommt, aber das ist jetzt nicht die Fortsetzung der RAF mit anderen Mitteln. Das eine war der Versuch, die revolutionäre Uhr zum Ticken zu bringen. Damit sind wir gescheitert. Das was ich heute mache, ist der Versuch in einer Situation der Niederlage etwas zu machen, zu dem ich stehen kann und das für mich sozial und politisch einen Sinn hat.

"Der bewaffnete Kampf war eine plausible Antwort"

Geschrieben am 5. 01. 2009

Interview Konkret Heft 1-2009 Auszug: "Dellwo: Ich freue mich über jeden, der eine Auseinandersetzung will. Manchmal habe ich das Gefühl, ich zähle zu den letzten Mohikanern, die versuchen, die RAF-Geschichte zu verteidigen. Ich mache das, weil ein Grossteil meiner Lebensanstrengung und meiner Überzeugungen darin steckt. Bei allen Fehlern  - und das werden viele sein - kann ich trotzdem sagen, ich fand richtig, daß wir etwas versucht haben. Wenn die ehemaligen RAF-Mitglieder in der Lage wären, untereinander eine wirklich kritische, eine offene Auseinandersetzung zu führen, könnten sie etwas Wichtiges beitragen.