SOCIETAETSTHEATER Dresden

Geschrieben am 8. 01. 2009

Text Societätstheater:
SALON AM SONNTAG

Der Aufbruch einer Generation, die RAF und die Kritik der Waffen

Karl-Heinz Dellwo, als Mitglied der RAF 1975 an der Besetzung der Deutschen Botschaft in Stockholm beteiligt und anschließend 20 Jahre im Gefängnis, veröffentlichte 2007 seinen politisch reflektierten Lebensbericht. In ihm zeichnet er seinen Werdegang nach. Seine Geschichte verdeutlicht, dass es keineswegs bloß ein diffuses "Dagegen" war, das Jugendliche nahezu aller sozialer Schichten damals antrieb. Insbesondere gelingt es Dellwo, rationale Begründungen wie emotionale Motivationen des Widerstands einzufangen. Es gab nicht nur sehr konkrete Vorstellungen eines Lebens jenseits der "formierten Gesellschaft", sondern auch ausreichend Erfahrungen mit repressiver Erziehung, Polizei und "gesundem Volksempfinden", die in die Fundamentalopposition trieben. Dellwos Darstellung erschließt uns ein eindringliches Bild jener turbulenten Zeit und erlaubt weiter reichende Reflexionen über unsere heutige Gesellschaft. Viele Motive des Widerstandes, die ihn und andere in den Irrweg des Terrors trieben, scheinen auch heute noch aktuell.

 

"Der bewaffnete Kampf war eine plausible Antwort"

Geschrieben am 5. 01. 2009

Interview Konkret Heft 1-2009 Auszug: "Dellwo: Ich freue mich über jeden, der eine Auseinandersetzung will. Manchmal habe ich das Gefühl, ich zähle zu den letzten Mohikanern, die versuchen, die RAF-Geschichte zu verteidigen. Ich mache das, weil ein Grossteil meiner Lebensanstrengung und meiner Überzeugungen darin steckt. Bei allen Fehlern  - und das werden viele sein - kann ich trotzdem sagen, ich fand richtig, daß wir etwas versucht haben. Wenn die ehemaligen RAF-Mitglieder in der Lage wären, untereinander eine wirklich kritische, eine offene Auseinandersetzung zu führen, könnten sie etwas Wichtiges beitragen.