»Die Idiotie eines politischen Zirkelschlusses«, taz-NORD, 27.10.2013

Geschrieben am 28. 10. 2013

Karl-Heinz Dellwo über die Linke und Israel
"Die Idiotie eines politischen Zirkelschlusses"

Karl-Heinz Dellwo war früher Terrorist. Heute verlegt er die „Bibliothek des Widerstands“. Ein Gespräch über das RAF-Bündnis mit den Palästinensern und das schwierige Verhältnis vieler Linker zu Israel

Das Interview führte: LENA KAISER, taz Nord
link: http://www.taz.de/!126263/

taz: Herr Dellwo, in welchem Zustand fanden Sie die Linke vor, als Sie 1995 aus der Haft entlassen wurden?

Karl-Heinz Dellwo: Aus meiner Sicht war alles in einem eher trostlosen, klein dimensionierten Zustand. Wir haben vorher immer auf einer Weltebene gedacht, sozusagen „den großen Kampf“ – und dann traf ich auf eher kleine Gruppen. Ich hatte hier und da mal reingeschaut, Gruppen, manchmal fünf oder sechs Leute, und bin schnell auf große Erwartungen gestoßen. Manchmal hatte ich das Gefühl, die tragen dir jetzt die Führung ihrer Kleingruppe an.

Ich wollte aber nicht da ansetzen, wo ich 1973 oder 1974 war. Die gesellschaftliche Situation war eine ganz andere. Die Aufbruchstimmung war weg. Für mich hat es überhaupt nicht gepasst. Ich konnte und kann meine Erfahrungen nicht ignorieren. Wir alle hatten ein Problem: Auch unsere eigene Sache war gescheitert und beendet.

Buchmarkt, Gesellschaft und Politik, Gastkolumne im Neuen Deutschland am 5.10.2013

Geschrieben am 17. 10. 2013

Neues Deutschland, 05.10.2013 / Meinung / Kolumne / Seite 1
Buchmarkt, Gesellschaft und Politik
Gastkolumne
Von Karl-Heinz Dellwo

In Frankfurt am Main findet in der kommenden Woche erneut die größte Buchmesse Europas statt. Sie ist nur wenig mehr als eine Marktveranstaltung um die Produktion und den Verkauf von Büchern. Während die jährlich im März stattfindende Buchmesse in Leipzig - eine Publikumsmesse, mit etwa 2000 von der Messe organisierten Veranstaltungen - den minimalen Anspruch hochhält, die Inhalte von Büchern zugänglich und diskutierbar zu machen, dem Leser also auch eine politische Bedeutung zugemessen wird, verzichtet die Messeleitung in Frankfurt am Main von vorne herein auf alles Inhaltliche oder das Organisieren von freien Foren, auf denen diskutiert werden könnte. Sie interessiert nur die Ware Buch und wie sie an den Konsumenten zu bringen ist. Von dieser Messeleitung gibt es nichts ohne Cash.

Burghart Klaussner: »Wunschloses Unglück« von Peter Handke, 5. November 2013

Geschrieben am 17. 10. 2013

Vers- & Kaderschmiede: BURGHART KLAUSSNER : "Wunschloses Unglück" von Peter HandkePolittbüro Hamburg, Dienstag 5. November 2013, 20 Uhr.

"Es ist inzwischen fast sieben Wochen her, seit meine Mutter tot ist, und ich möchte mich an die Arbeit machen, bevor das Bedürfnis, über sie zu schreiben, das bei der Beerdigung so stark war, sich in die stumpfsinnige Sprachlosigkeit zurückverwandelt, mit der ich auf die Nachricht von dem Selbstmord reagierte." Was Peter Handke sich hier vornimmt – wir schreiben das Jahr 1972 – führt zu einer beeindruckenden Erzählung eines Frauenlebens: Verständnisvoll und einfühlsam, analytisch und distanziert, die gesellschaftlich erzwungenen Ausweglosigkeiten und Ausbruchsversuche dagegen beschreibend. Frei von Phrasen und Klischees. Einige Auszüge: - "Als Frau in diese Umstände geboren zu werden, ist von vornherein schon tödlich gewesen. Die Wahrsagerinnen auf den Kirchtagen lasen nur den Burschen ernsthaft die Zukunft aus den Händen, bei den Frauen war die Zukunft ohnehin nichts als ein Witz." - "Das Stadtleben: kurze Kleider, Schuhe mit hohen Absätzen, Wasserwellen und Ohrklipse, die unbekümmerte Lebenslust. Sogar ein Aufenthalt im Ausland!, als Stubenmädchen im Schwarzwald." - "Wie gern wäre sie richtig leichtsinnig gewesen! … Immerhin, und das war in dieser Umgebung schon viel, gewöhnte sie sich das Rauchen an und rauchte sogar in der Öffentlichkeit." - "Sie versuchte, unordentlich zu werden, aber dazu hatten sich die täglichen Handgriffe schon zu sehr verselbständigt."

Vers- und Kaderschmiede: Kostproben Montag, 30. September 2013

Geschrieben am 20. 09. 2013

Mo., 30. Sept. | 

20.00 Uhr | 
Eintritt: 15 Euro, 
erm. 10 Euro | 
Freie Platzwahl!
 
Vers- und Kaderschmiede


KOSTPROBEN Mit: HANNELORE HOGER, BURGHART KLAUSSNER, DENIS MOSCHITTO, NINA PETRI, PHELINE ROGGAN, ROBERT STADLOBER, ANNETTE UHLEN, HENNING VENSKE, MICHAEL WEBER (u.v.m.)

Wie es der Tradition entspricht: Wir zeigen an diesem Abend, was wir in der vor uns liegenden Spielzeit auf die Bühne bringen wollen. Die Auszüge, alle so zwischen 10 und 15 Minuten lang, werden nur am Aufführungstag geprobt. Das Publikum möge sich auf Improvisation und eine Portion Chaos einstellen, was angesichts des Könnens dieses "Ensembles" kein Nachteil ist. Welche Künstler das Team noch verstärken werden, wird wahrscheinlich erst wieder im letzten Moment klar. Da ist es gut, wenn immerhin diese bewährten Gewissheiten zu verkünden sind: Natürlich wird die Speise mit dem unergründlichen Namen "Affenglück" wieder kostenlos serviert; und zum Anstoßen auf die geplanten Projekte wird Obstwasser bereitgestellt. Szenisch gelesen und gespielt wird aus Werken von: DAVID ALBAHARI, VENEDIKT EROFEEV, GUSTAVE FLAUBERT, OSKAR MARIA GRAF, PETER HANDKE, GERT HOFMANN, NORBERT HOPPE, GEORGES PEREC, ARNOLD ZWEIG. 15,00 Euro, erm. 10,00 Euro