Helmut Reinicke - Philosoph des Nowhere

Geschrieben am 5. 12. 2019

Rede zur Erinnerung an meinen Freund Helmut Reinicke (* 4. August 1941; † 22. Oktober 2018), Prof. em. für Philosophie und Soziologie 
Club Voltaire, Frankfurt a.M. 21. November 2019

Helmut
Helmut Reinicke in seinem Arbeitszimmer in Vauvert/Frankreich

 

Helmut Reinicke, zur Erinnerung Club Voltaire, Frankfurt, 21. November 2019 – Karl-Heinz Dellwo

Mississippi
Helmut Reinicke mit FreundInnen/GenossInnen aus der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung Anfang der sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts in Mississippi


»Es hatte sich einiges aufgestaut bei den Kindern der Ducke« -
Der Satz hatte es in sich. Er stellte nicht nur einen Raum her, er zog einen sofort in diesen Raum hinein mit seiner besonderen Atmosphäre aus Druck und Gegendruck und zu erwartender Explosion. »Aufgestaut«, »Kinder der Ducke« - es war klar: hier musste eine Revolte kommen und sie kam auch. Sie musste nicht begründet werden. Sie kam aus der Situation, die war so selbstverständlich wie unvermeidbar – in ihr war die  Wahrheit über sich selbst herangereift. Unvorstellbar ist, dass die, die in dieser Zeit aufgewachsen sind – wir reden hier von den fünfziger und sechziger Jahren – und die sich eine Sensibilität zu sich als Subjekt bewahrt hatten, sich darin nicht sofort wiedererkennen konnten.

Mit diesem gewaltigen Satz fing das erste Roh-Manuskript an, das Helmut Reinicke mir im März 2011 zuschicke.  Ich hatte ihn  gebeten, einen Text zu Rudi Dutschke zu schreiben. Das war im Sommer 2010. Das Jahr zuvor, im Oktober 2009, hatten Willi Baer und ich den LAIKA-Verlag gegründet. Sinn und Zweck des LAIKA-Verlages war, an die weltweiten Revolten und Revolutionen zu erinnern und die Erfahrungen aus ihnen heraus für die zukünftigen Kämpfe zu sichern. Dazu hatten wir die Bibliothek des Widerstands aufgelegt.

Rudi Dutschke durfte in dieser Reihe nicht fehlen. Aber was schreiben und wie an die Sache herangehen? 
Das 68er Revival 2008 lag gerade hinter uns und schien uns geschönt. Oftmals nichts anderes als eine Nachschau der Überläufer und Angepassten. Wir hatten eine Reflexion zu Dutschke beauftragt bei einer Schriftstellerin, die lange zu ihm gearbeitet hat – und mochten, bei allen Verdiensten, die diese Arbeit zweifellos auch hatte, sie in unserer  Reihe nicht drucken. Zuviel Naivität und zu viel Glaube. In ihr war Dutschke fast zur Ikone, zu einer Art positivem Held mutiert, glänzend, immer nur gut  -  eine zweifelhafte Figur, denn in dieser irrealen Existenz steht diese Figur über den Massen. Sie wird von ihnen bewundert, aber sie wird in der Regel nicht als Anregung für das eigene Leben genommen. Auch wenn Dutschke ein Agitator war, der Massen erreichen, vielleicht auch anführen konnte, so gibt es nichts in seiner Haltung, aus der er sich überhöhte. Levebre schreibt irgendwo (aus dem Kopf zitiert): ›Der wahre sozialistische Held steigt von den Hügel der Verherrlichung herunter und macht sich den Massen erkennbar als einer der ihren, als einer, zu dem jeder werden kann‹. Mich erinnerte es an einen Satz, den uns Gudrun Ensslin schrieb: »Ich kann Dir nicht sagen, was Du tun musst. Ich kann Dir nur sagen, wie ich Widersprüche für mich löse und vielleicht erkennst Du etwas darin«. Das war es, was wir wollten: Wiedererkennbarkeit. Das ist das Geheimnis jeder wirklichen Agitation: sie findet das Moment einer Wahrheit heraus und macht sie kenntlich. Keine autoritäre Vermittlung, keine belehrende Pädagogik. Keine Partei, die führt.

Helmut Reinicke
Helmut Reinicke, stilisiert I
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Das war das, was wir auch mit unserer Reihe wollten. So bin ich zu Helmut gekommen. Ich hatte ihn noch vage in Erinnerung. 1973/74 im Gefängnis als Hausbesetzer, hatte ich sein Buch aus dem Merve-Verlag »Für Krahl« gelesen. Für mich, gerade 21 alt geworden, der nicht aus einem studentischen Milieu kam, war das eine schwierige Lektüre. Eine Lektüre mit sehr vielen Anstreichungen und mehr mit Ahnungsresultaten als einem wirklichen Verstehen. Und doch habe ich mich an diesem Text abgearbeitet, denn etwas an ihm hatte mich fasziniert. Irgendwie konnte ich herausziehen, dass es keinen objektiven Gang der Geschichte zur Befreiung des Menschen gibt und Engels falsch lag mit seiner These, dass die Sozialdemokratie über Wahlen zu den »roten Bäckchen« kommt, die eine kämpfende revolutionäre Bewegung, also eine tätige Aktion der Massen, in der sie auch ihr Selbst verändern würden, vielleicht unnötig machen würde. Fast 40 Jahre später finde ich Helmut Reinicke wieder, diesmal in konkreter, und –schnell - in sehr freundlicher, verbündeter Beziehung.

Ich weis nicht mehr, über wen ich den Kontakt 2010 zu ihm aufgenommen habe. Aber seit Juni 2010 standen waren wir in ständiger, nicht mehr abreißender Verbindung. »Ja, was soll denn das?«, hatte er missmutig hingeworfen,  als ich ihm davon berichtete, wen wir zuerst zur Reflexion über Dutschke beauftragt hatte, »Das gehört doch nicht in ein solche Reihe«. Das kam nicht als Meinung zu mir. Das war eine nicht zu hinterfragende Feststellung, das Zurückweisen einer Zumutung. In gewisser Weise klang eine Enttäuschung darüber an, dass ich das überhaupt für möglich hielt. Aber ich war ja zu ihm gekommen, weil ich es selber nicht für möglich hielt. Das konnte er dann auch sehen. Aber die Art, mit welcher Selbstverständlichkeit er seine Beschwerde vorbrachte, enthielt eindeutig die Haltung, dass wir in einer brüderlichen Gemeinsamkeit vereint sind und zusammenstehen müssen. Das war ein starker Zug bei ihm, den er, wie ich sagen kann, sich auch dann nicht nehmen ließ, wenn er damit auch negative Erfahrungen machte. Helmut trat dem Anderen grundsätzlich erst einmal in der Bereitschaft zur Weggenossenschaft gegenüber.

Er hatte Lust, zu schreiben. Das merkte ich. Er wollte die Figur Rudi Dutschke zum Anlass seiner Schreibe nehmen, aber er wollte keine Biografie schreiben. Es langweilte ihn, die einzelne Person zur historischen zu machen. Er wollte die Zeit beschreiben, in der Rudi Dutschke zum geschichtlichen Rudi Dutschke werden konnte – und diese Zeit, das war ihm selbstverständlich, hatte ihre Bezüge im internationalen Raum.  In unserer Zeit gab es noch das Empfinden einer globalen Menschheit, die in der Ablehnung der alten Welt und dem Hoffen auf eine befreite Zukunft vereinigt war.

Helmut Reinicke
Helmut Reinicke, stilisiert II

Auch wenn es manchmal einzelne Menschen sind, die etwas Besonderes vorantreiben, so interessierte ihn an erster Stelle das komplexe Geschehen, das aus allen möglichen Momenten des Sozialen, des Politischen und des Kulturellen gesellschaftliche Zustände, Stimmungen und Atmosphären schafft, in denen etwas anderes plötzlich möglich wird. Und Mitte der sechziger Jahre war auch in der westlichen Welt dieser Zustand so herangereift, dass die zentrale Subjektivierungsinstanz in der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft, also ihre Produktions- und Reproduktionsweise, vom Individuum zurückgedrängt werden konnte. Auch die Vorstellung von der Fabrik als besonderer revolutionärer Ort und die vom Fabrikproletariat als zentraler Träger der Revolution war verblasst. Gegen die Automatisierungsprozesse und die rasant voranschreitenden technologischen Entwicklungen verkümmerten die traditionellen Organisationen des Klassenkampfes zu tradeunionistischen Vereinen mit isolierten, partiellen Kampfinteressen, die kein Ganzes mehr vor sich sahen. Unumgänglich war, diese Verkümmerung des Revolutionären ebenso im Staatssozialismus mit seinem dogmatisch gefesselten Leben zu sehen. Dort herrschte das Diktat des geschichtlichen Auftrages vor, das alles Emanzipatorische dem abstrakten Gesamtinteresse unterwarf. Die Revolution, so schrieb Helmut, darf dort nicht einmal gedacht werden.  Spöttisch musste ich Feststellen, dass diese Haltung von Helmut, die nach 68 eine zentrale Bruchlinie zur DKP und den Freunden des Realsozialismus ausmachte, meinem Verlegerfreund Willi Baer schlaflose Nächte verpasste und mir lange Diskussionen mit ihm, obwohl er selber seinerzeit in Frankfurt wegen linksradikaler Abweichungen das Redaktionsteam der »Die Tat« verlassen musste.

Der Mann war mutig und er hatte auch die Selbstverständlichkeit, Richtungen vorzugeben. Wenn wir bei unseren unzähligen Telefonaten etwas besprachen, kam oft ein ›Mach das doch so und so«. Manches war einfach und eigentlich für sich genommen von der Sache her überzeugend, nicht jedoch unbedingt realitätstauglich. Als ich ihm einmal davon erzählte, wie schwierig es mit bestimmten Krediten sei – um ihn auf den Dauerzustand unsere finanziellen Nöte im Verlag hinzuweisen ,  wusste er gleich, was zu tun sei: ›Geh zur Bank, sag Ihnen, das war ein gemeinsames Projekt, es hat leider nicht gewirkt, nun haben wir es gemeinsam verloren‹.

Arbeitszimmer oben
Arbeitszimmer oben
Arbeitszimmer unten
Arbeitszimmer unten

 

Man sollte nicht denken, dass es einfach Ironie war. Die war natürlich auch dabei, aber der Helmut Reinicke, den ich dann immer näher kennen lernen durfte, war auch so. Er musste immer wieder aus allen Selbstverständlichkeiten heraus. Schau ich mir  -  soweit ich es kennenlernen konnte -  sein Leben an, so ist er bis zum Schluss im Aufbruch gewesen. Ob Vietnam, China, Guatemala, Alaska, Mexico mit Gefängnisaufenthalt (sein zweiter nach der kurzen Haft in der DDR) oder der Sudan – hatte ich länger mit ihm nicht gesprochen, und dann wieder doch, war immer von der nächsten Reise die Rede, die er nun endlich wieder machen müsse: Die Welt war für ihn da, um gefunden zu werden. Die äußeren Strukturen, in die er sich begab,  musste er immer wieder anarchistisch wenden. 

Es war ein gebremstes Risiko, da sein wissenschaftlicher Habitus ihm irgendwann zu einer ökonomisch bürgerlichen Grundlage verhalf, mit der er, nachdem der 68er Aufbruch als kollektiver zuerst erstarrt und dann in der Übernahme durch den sich modernisierenden Kapitalismus gescheitert war, sich individuell selber eine Art des privaten Sozialismus ermöglichen konnte.  Noch im Jahr seines Todes rief er aus der Ferne an, diesmal aus dem Sudan und hatte dort eine Studentin kennengelernt,  die er offensichtlich zur Beschäftigung mit den sozialrevolutionären Gruppen der siebziger Jahre agitieren konnte. Er wollte, dass ich ihm in den Sudan alles Material zur Bewegung 2. Juni schicke, am besten innerhalb von Stunden. 

Es war aber nicht nur die Abenteuerlust, die ihm offenkundig zu eigen war. Oft erinnerte er mich in seinen Erzählungen und Haltungen hier wie an den kleinen Jungen, der abends mutig in den dunklen Wald geht oder der natürlich fasziniert war von den Montgolfièren und den Charlièren und dem Traum von der Eroberung des Lüfte. Er hatte sich hier offensichtlich aus der Kindheit etwas bewahrt. Es war vor allem das Interesse an einer anderen Sicht auf die Welt, einer Sicht, die von den Erfahrungen der Unterdrückten ausging. Zu ihnen hatte er eine ungebrochene Solidarität, immer davon bestimmt, den Blick auf die Welt aus ihrer Position einzunehmen, auch da, wo er sie kritisierte. Egal ob es um die Hexenverbrennung des Mittelalters ging und er zur Verfolgung und Vernichtung wissender Frauen Jules Michelet zitieren konnte. Oder um die Vernichtung und Beraubung der Nordamerikanischen Urbevölkerung durch die landraubenden Einwanderer aus Europa. Bei ihm wurde der Kolonialismus das, was er war: Eine Verbrechensgeschichte, eine brutale, von niederträchtiger Gesinnung geprägte Raubgeschichte, die die Basis des Reichtums in Europa ausmachte. Davon handelt sein Buch »Die wilden Kälten«. Der Kapitalismus in seiner Urform, Handel, ungleicher Tausch und Raub, orientiert an der Welt nur aus der Sicht der Plünderer. Die Erzählung der Herrschenden hier interessierte ihn nicht mit ihrer Verlogenheit über die Entdeckung einer Welt, die längst da war in ihrem eigenen gesellschaftlichen Reichtum und dann von den Europäern zerstört wurde. Wo die herrschende Ideologie von »Entdeckung« spricht, als hätten sie damit die Welt bereichert, sprach Helmut von der Zerstörung des anderen. Auch hier interessierte ihn vor allem das Alltagsleben der einfachen Menschen. 

Zu seinem Nachlass gehört eine große Anzahl von Tonbändern mit Aufnahme von Kneipengesprächen, zu deren Auswertung er letztlich dann doch nicht mehr kam.

Die Gegend
Helmut mit Hund Brutus Wassermann
Das Haus
Das Haus in der Carmague

Irgendwann rief er mich an und verwies mich auf das Buch,  »Das deutsche Volk klagt an«, eine Materialsammlung über den Nazi-Terror in Deutschland von 1933 bis 1936, herausgegeben 1936 in Paris von deutschen Exilanten, die dort nach Flucht und Niederlage jenseits der politischen Gräben nun zusammenarbeiten konnten. Später erschien das Buch in französischer Sprache. Obwohl es eine detailreiche Materialsammlung war, aus der die Gewalttätigkeit der Machteroberung durch die Nazis förmlich hervorsprang, ist es nach der Niederschlagung des Nazi-Reiches weder im Osten noch im Westen je wieder aufgelegt worden. Wir haben lange gerätselt warum. Es passte, weil es die Verfolgten von links bis konservativ in sich vereinigte, offensichtlich weder in die politische Nachkriegserzählung des Westens noch in die des Ostens. Für ihn war klar, dass das Buch endlich auch in Deutschland veröffentlicht werden muss und wir haben es dann auch getan.

Die Buchproduktion mit ihm erwies sich als etwas umständlich. Manchmal speicherte er seine Manuskripte ab und fand sie nicht wieder, weil er sich dem Ordnungssystem des Computers offensichtlich nicht unterwerfen wollte oder ihn einfach nicht bedienen konnte. Er schrieb dann in einer alten Version des Manuskriptes weiter.  Irgendwann war es unumgänglich, dass ich meinen Rechner einpackte und zu ihm flog. In seine Residenz in Vauvert. Tagelang saßen wir zusammen, um aus den unterschiedlichen Versionen endlich eine richtige herzustellen. Die Tage waren klar strukturiert: Nach dem Aufwachen Frühstück, dann zwei Stunden Arbeit. Fahrt nach Vauvert, wo mit französischen Freunden der erste Wein getrunken werden musste. Danach Mittagessen mit Wein und dann Siesta. Danach wieder 1 ½ Stunden Arbeit und dann zusammen, vor dem Abendessen zur Entenjagd mit seinen Hunden in den umliegenden Sumpfgebieten. Marx’s Idee vom Kommunismus mit »Morgens fischen, abends jagen« war hier irgendwie am Abend zusammengefasst. Das ist, für eine Zeit lang, eine schöne Lebensatmosphäre. Zur Ironie gehörte, dass wir in der ganzen Zeit nie etwas erlegt haben. Es war mehr eine Haltung, der wir die Honeurs gemacht hatten. Er hätte es gerne gehabt, wenn ich gleich Monate geblieben wäre. In seiner Fantasie war das großräumige Haus ein Ort, wo man eine Kommune hätte machen können, ähnlich vielleicht jener der Commune in Tarnac, aus der Schriften hervorgingen, die dem strukturellen Nihilismus des kapitalistischen Systems ein anarchistisches Spiel entgegensetzen.

Helmut, Ella, KH
Helmut Reinicke, Ella Rollnik, Karl-Heinz Dellwo, hier bei einer gemeinsamen Reise in Castelnaudary/Frankreich

Helmut war ein Freund des Genossenschaftlichen und des Teilens darin. Dazu hielt er immer an.
Heute liegen seine Unterlagen im Hamburger Institut für Sozialforschung. Mit Zustimmung von Annette Ohme-Reinicke, bin ich dort vorstellig geworden, um den großen, ziemlich ungeordneten Bestand von Helmuts Schriften dort unterzubringen. Mein Hauptargument war, dass Helmut einer jener wenigen Alt-68er war, die das Libertär-Kommunistische aus dieser Zeit nach seinem kollektiven Untergang in das Private hinein gerettet haben. Ich weiß nicht, wie viele es davon gab. Von der Art von Helmut habe ich nur seinen Freund Marty Oppenheimer kennengelernt, den Helmut aus seinen Zeiten bei der Bürgerrechtsbewegung in den USA kennengelernt hatte und mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband.

Beide haben bei uns in Hamburg gewohnt und für Tage war die Welt auf den Kopf gestellt. Es waren dann dieses Jahr Wochen, die ich für das Institut erneut in Vauvert verbracht habe, um seinen Nachlass im Groben zu sichten und zu ordnen. Das war auch im Nachgang eine gute Beschäftigung mit ihm, die auch einen weiten Einblick in den privaten Helmut Reinicke mit sich brachte. Es hat meine Sympathie zu ihm eher gefördert.

Zum Ende seiner Reflexionen zu 68 und zu Rudi Dutschke, zitiert Helmut Rudi Dutschke aus dessen Tagebuch: »Der sozialen Revolution kann ich gegenwärtig nur dienen durch eine Verschärfung der wissenschaftlichen Arbeit. Und zur richtigen Zeit wieder eingreifen, ›in Bereitschaft sein ist alles‹« (Tagebuch 13. Juli 1975).

In diesem Zitat beschreibt Helmut sich selber. Ich glaube, diese Haltung ›in Bereitschaft sein ist alles‹, hat er nie verloren. Das ist ungeheuer viel einer Welt, die nach unserer Niederlage auf den neuen und natürlich endlich wieder internationalen Zeitenbruch wartet, um endlich den sich vollendenden Nihilismus in der totalen Erfassung des Lebens durch die globalisierten Waren- und Kapitalproduktion erneut zu durchbrechen - und eine andere Entwicklung der Lebensgeschichte der Menschheit eröffnet. Auch wir sollten diese Haltung nie verlieren.

Vielen Dank.
Karl-Heinz Dellwo

Helmut Reinicke
Helmut Reinicke

Veröffentlichungen im LAIKA-Verlag 2012: Bibliothek des Widerstands Bd. 12: Rudi Dutschke - Aufrecht gehen. 1968 und der libertäre Kommunismus, ISBN 978-3-942281-81-2, 320 Seiten, beiliegend 2 DVDs mit vier Filmen: Aufrecht gehen 1988, 78 Minuten, Regie: Helga Reidemeister | Dutschke, Rudi, Rebell, 1998, 36 Minuten, Regie: Jürgen Miermeister | Rudi Dutschke -Sein jüngstes Porträt, 1968, 55 Minuten: Regie: Wolfgang Venor | Zu Protokoll »Rudi Dutschke«, 1967, 41 Minuten, Günter Gaus im Gespräch mit Rudi Dutschke.
Zahlreiche Fotos, Laika-Verlag 29,90€


 

 

 

 

 

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