"So starb eine Partei" von Jura Soyfer

Geschrieben am 22. 05. 2006

SO STARB EINE PARTEI
Mit: Michael Weber. Vers- und Kaderschmiede, 22.05.2006

Jura Soyfer  wurde am 8. Dezember 1912 in Chrakow in der Ukraine geboren. Er war der Sohn von Frau Ljubow Soyfer und dem jüdischen Industriellen Wladimir Soyfer. Die Familie floh 1921 während der Wirren der Revolution in die in der Nähe von Wien gelegene Kurstadt Baden um bald danach nach Wien zu übersiedeln. Schon mit 15 Jahren begann er die Werke von Marx und Engels zu studieren und blieb sein Leben lang ein überzeugter Marxist. ...

Als in Österreich nach dem Scheitern der Februarkämpfe im Jahre 1934 die SDAP (Sozialdemokratische Arbeiterpartei) verboten wurde da begann er den Roman „“So starb eine Partei“ zu schreiben. Da wird Josef Dreher beschrieben.
Fett. Ein mit großem Leibesumfang ausgestatteter Sozi - Bonze. Er ist einfacher Herkunft, damit hat er die Basis erobert, doch seine Frau graust es, wenn er daheim mit offenem Mund kaut. Da meint sie, er solle sich „nicht ordinär“ benehmen. Dreher wird zum Politikum. Während die Spezialdemokratischen Partei das Proletariat mit seinen Nöten und Sorgen im Regen stehen lässt, da ist Dreher „der Bonze“ aktiv. Er schwingt seinen „wohlgenährten Bauch von Kuhhandel zu Kuhhandel, von Packelei zu Packelei, von Verrat zu Verrat“. In seinem Bezirk, da hat er schon lange keine Termine mehr wahrgenommen, der Arbeitermandolinenverein muss ohne ihn musizieren und zur Gewerkschaft, da hat der Herr Nationalrat Dreher ein Verhältnis – ein gestörtes!  Da scheitert ein Generalstreik der Eisenbahner, den die sozialdemokratische Parteiführung unter Otto Bauer nicht unterstützte. ...
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Soyfers Gesamtwerk beträgt fast 1000 Druckseiten, er schrieb es in 5 Jahren.. Ihn hat das Versagen der Sozialdemokratie schwer enttäuscht und verbittert und so trat er im Jahre 1934 der verbotenen Kommunistischen Partei Österreichs bei und arbeitete im Untergrund.  Sein Theaterstück „Der Lechner Edi schaut ins Paradies“  war die Suche nach der Ursache der Arbeitslosigkeit. Der Lechner Edi hat uns auch heute noch was zu sagen und so sollten die Theaterstücke von Jura Soyfer, der die Welt der Armen beschrieb, nicht vergessen werden. Johann Nestroy und Soyfer sind da auf eine Stufe zu stellen.

1937 im November wurde Jura Soyfer von der österr. Polizei verhaftet. Grund: „staatsfeindliche Betätigung“. Nach drei Monaten ohne vor Gericht gestellt zu werden, kam er am 17. Februar 1938 wieder frei. 26 Tage später am 13.III. 1938, einen  Tag nachdem Hitler, bejubelt auf dem Heldenplatz, Österreich „heim ins Reich“ zurückholte wurde er verhaftet, als er in Vorarlberg versuchte, auf Skiern, in die Schweiz zu flüchten. ...

Am 16 März befindet das Landgericht Feldkirch über ihn, obwohl die Vereidigung auf den „Führer Hitler“ erst am 18.3.1938 erfolgte. In das KZ Dachau wurde Jura Soyfer  am 23. 6. 1938 eingeliefert und von dort im Herbst in das KZ Buchenwald überführt. Er stirbt am 16.2. 1939 an Typhus. Erst im Jahre 1968 entschloss man sich in Wien im 10. Bezirk eine Gasse nach ihm zu benennen.  Sein „Lied des einfachen Menschen“ ist ein Vermächtnis, das heute mehr denn je beherzigt werden müsste. Soyfer warnte in schweren Zeiten vor der Barbarei,  andere Blut&Bodendichter überlebten. Ihn  als „Zugereister“  will man abschieben ins Vergessen. Heute mehr denn je. ...

(Auszüge aus einem Text von: Dieter Braeg)


"So starb eine Partei". Mit: Michael Weber. Vers- und Kaderschmiede, 22.05.2006

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