Vers- u. Kader: Die Großherzogin von Gerolstein

Geschrieben am 10. 01. 2013

DIE GROßHERZOGIN VON GEROLSTEIN
VON JACQUES OFFENBACH, FASSUNG: KARL KRAUS
Vers- und Kaderschmiede 11.02.2013, 20 Uhr, Polittbüro Hamburg

Die aristokratisch-militärisceh Wahnwelt so richtig derbe durch den Kakao zu ziehen, das gelang Jacques Offenbach, dem Sohn eines Synagogenvorsängers aus Köln, im Jahre 1967 in Paris.

Sechzig Jahre später nannte Karl Kraus dieses Werk »eines der holdesten Wunder der heiteren Bühne«, denn, so der große Sprach- und Kulturkritiker, »der Gedanke der Operette ist Rausch, aus dem Gedanken geboren werden; die Nüchternheit geht leer aus.« Das von seinen Zeitgenossen mokierte »unrealistische« an der Geschichte von der Großherzogin, schien Kraus gerade ihr Vorzug, da »diese Summe von heiterrer Unmöglichkeit jenen reizvollen Anlaß bedeutet, uns von den trostlosen Möglichkeiten des Lebens zu erholen.« (Die Fackel 757)

Um seine These praktisch zu beweisen, bearbeitete Kraus die Operette und trug sie, nur vom Klavier begleitet, selber vor. ”Der Vortrag, der diese Großherzogin dem Unfug all der Zirkusprinzessinen und Csardasfürstinnen entgegenstellt, verfolgt die Absicht, Lust und Grazie der Musik, Ergötzen und Tollheit ihres Textes ... auch ohne brillante Ausstattung‹ sinnfällig zu machen.«

Wolfram Berger, einer der profiliertesten Vertreter der österreichischen Schauspielkunst (Schauspieler des Jahres, »Salzburger Stier«, Netroy-Preis, Preis der deutschen Schallplattenkritik ...) zelebriert die ”Großherzogin« ebenfalls ohne pompose Ausstattung, nur vom virtuosen Pianisten Theocharis Feslikidis begleitet. »Der stimmlich unglaublich variantenreiche Wolfram Berger liest alle Rollen. Grandios.« (Der Standard). In Kooperation mit: Literatur für alle, KONKRET, ver.di-Fachgruppen.

(Plakat: Jan Kahlert)

Printer Friendly, PDF & Email